• Robin Disselkamp

Der wahre Wert von Fotos.

Plötzlich bekommen Fotos einen Wert. Keinen finanziellen oder messbaren Wert. „Nicht alles, was messbar ist zählt und nicht alles was zählt kann man messen.“ Freitag morgen trafen wir die schwerste Entscheidung unseres bisherigen Lebens. Wir mussten über das Weiterleben oder den Tod unseres Pferdes „Märchenprinz“ entscheiden. Durch das MRT, zu welchem wir uns aufgrund seiner wiederkehrenden Lahmheit entschlossen hatten, wurde uns klar, dass er leider niemals ein pferdegerechtes Leben wird führen können. Zu groß waren die Schäden in seinen beiden Vorderhufen, die scheinbar bereits sehr früh in Spanien entstanden sein mussten. Eine Option wäre ein Nervenschnitt gewesen, der ihn zwar schmerzfrei, aber auch gefühllos in beiden Vorderhufen hätte werden lassen. Bei einem 4jährigen Pferd welches tobt, rennt und springt, ist das leider keine ernstzunehmende Option. Also entschieden wir uns schweren Herzens und unter vielen Tränen für die Euthanasie.

Euthanasie bedeutet im altgriechischen so viel wie „schöner Tod“ und aus Erzählungen weiß ich, dass Märchenprinz einen schönen, komplikationsfreien Tod hatte. Ich konnte selbst leider nicht dabei sein. Ich hätte es auch mental nicht geschafft. Den allergrößten Respekt habe ich vor meiner Freundin Christin, die ihn bis zur allerletzten Sekunde begleitet hat. Was bleibt, sind Erinnerungen. …und plötzlich bekommen diese Fotos, die man „mal so macht“, weil man die Kamera eben halt dabei hatte, eine ganz besondere Bedeutung. Der erste Moment unserer Begegnung, das Bild, welches ich zum Abschied vor wenigen Tagen postete. Eine Litze geht mitten durch´s Bild, Märchenprinz hängt die Zunge raus und sein Schopf ist zerrupft. Es ist ein wunderschönes Bild für uns und durch unsere Geschichte so unermesslich wertvoll.

Wir haben wunderschöne Bilder seines ersten, freien Laufs auf unserem Reitplatz im Sonnenuntergang. Wir haben Fotos von seinen Spielereien auf der Weide, von seinem Training mit Christin, von seinem Weitertransport in einen anderen Stall. Seine ganze Geschichte, all seine Aufs und Abs, seine ganze Zeit mit uns haben wir, so nebenbei, fotografisch dokumentiert.

Jeden Moment können wir nochmal durchleben. Uns anhand von Bildern erinnern. Und vor allem können wir uns an all diesen Sekunden nochmal erfreuen - auch wenn uns leider nicht viel Zeit miteinander vergönnt war. Diese Fotos, diese Momente sind so wertvoll, weil sie die Zeit angehalten und für immer konserviert haben. Und damit sind diese Bilder für mich wertvoller, als die meisten anderen Bilder, bei denen ich Shootings organisiert und Aufwand betrieben habe. Es sind dann eben doch die „einfachen“ Dinge im Leben…


…und wenn man glaubt, dass Corona und der Tod eines geliebten Weggefährten einem jede Luft raubt… … dann kommen Menschen um die Ecke, mit denen man in der Trauer um sein Pferd so gar nicht rechnet. Meine Mutter sagt immer: „Nicht mal der Tod ist umsonst!“ und so haben wir einen ziemlich großen Kostenapparat für das MRT und die Euthanasie unseres Pferdes vor der Brust. In Zeiten von Corona, in denen ich keine Workshops geben und keine Hochzeiten fotografieren kann um ein bißchen was extra einzunehmen, ist das eine zusätzliche, unschöne Seite eines Abschieds für immer. Ich weiß nicht, ob andere Fotografen solche Workshop-Teilnehmer oder so eine Gefolgschaft haben, wie ich sie habe. Vera, Nicole, Matthes, Frank und Frank, Karsten, Marcus, Olaf, Detlef und Pat haben einen ganzen Batzen Geld zusammen gesammelt und uns einfach so überwiesen. Zusammen mit einer Collage mit dem Titel „Ihr seid nicht allein!“. Ich habe vor Freude geweint und gemerkt, dass die Fotografie-Szene doch nicht nur eine Ansammlung von Blendern und Laberfürsten ist. Sondern dass man tatsächlich noch Freude finden kann, die es einfach nur gut mit einem meinen! Ich danke Euch von ganzem Herzen!

IMG_3226_freigestellt.png