• Robin Disselkamp

Mir reicht´s.

In den letzten Tagen und Wochen ist mir klar geworden, dass es mir das nicht mehr Wert ist. Vor gut ein, zwei Jahren sagte man mir, dass man heute nur und ausschließlich mit guten Fotos kein relevanter Fotograf mehr werden kann. Dafür bräuchte es mehr. Mehr social Media Aktivität und mehr Selbstvermarktung. Mehr Ego. Mehr Ellenbogenmentalität und mehr Interaktion mit Gefolgsleuten und/oder Widersachern. Einfach gesagt: Mehr Auseinandersetzung. Die Fotografie, wie ich sie wirklich aus tiefstem Herzen liebe, ist ein Nebenprodukt geworden. Heute ist man nicht mehr nur noch einfach Fotograf. Man ist „Visual Storyteller“ oder „Content Creator“. Oder man ist „Digital Artist“. Und ich machte mir Gedanken darüber, ob´s sinnvoller ist, sich Hobby- oder Amateurfotograf zu nennen. Im kleinen Rahmen ist das schon Satire. Ich startete einen Podcast, weil ich auf Blender reingefallen bin, von denen einer meinte, er sähe in mir etwas besseres als die „bierseligen, Samstags am Grill stehenden Fußballfans“. Glücklicherweise bin ich aber genau das. Auch wenn Bochum nicht mehr so häufig Samstags spielt… aber das ist ein anderes, leidvolles Thema. Ich startete wieder einen Instagram-Account. Anders gesagt: Ich gab mich der Mathematik in den sozialen Medien hin.

Und es passierte das, was schon vor gut 18 Jahren bei mir in Mathematik passierte: Ich fiel krachend durch. Das Instagram-Spiel unterliegt Algorithmen, die einen Account wachsen lassen, wenn man innerhalb dieser Algorithmen handelt. Einfach ausgedrückt: Viel posten, bestimmte Hashtags & Markierungen und nicht zu vergessen: Stories. Ich habe gar nicht die Zeit und die Lust, dieses Spiel so exzessiv zu spielen. Also lass ich´s. Ich habe meinen Instagram-Kanal auf knapp 30 Bilder reduziert und poste nur noch, wenn mir wirklich danach ist. Und kümmere mich nicht drum. Spielabbruch sozusagen. Auf meinem privaten Facebook-Profil habe ich 150 Personen aus meiner Freundesliste gelöscht (sorry!), von denen ich die Hälfte nicht mal kannte. Ebenso den Großteil privater Nachrichten. Ferner habe ich meine Chronik bis März 2010 (richtig, 10 Jahre!) bereinigt und aufgeräumt. Meine Facebook-Fotoseite habe ich ebenso aufgeräumt und reduziert. Und auch dort werde ich nur noch posten, wenn ich etwas zu posten habe, was mir wichtig ist. Sei es ein Portrait, ein Konzertfoto, ein Landschaftsbild oder sonstwas. Genau wie bei Instagram möchte ich mir keine Regelmäßigkeit aufzwingen lassen - Das wäre auch ein Widerspruch bezugnehmend auf meine Kreativität. Dieser Podcast… grandios bis merkwürdig. Himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt. Am Thema vorbei und voll auf den Punkt. Meine „fotografischen Selbstgespräche“, wie ich selbst mal herausfand. Aber was spreche ich eigentlich mit mir selbst, wenn niemand hinhört? Wenn ich für mich bin? Ich gestehe mir selbst ein, mich mit Menschen zu vergleichen, die durch Blendereien und Halbwahrheiten zu Reichweite (VORSICHT: Nicht zu verwechseln mit „Erfolg“!) gekommen sind. Ich gestehe mir ein, doch hin und wieder mal auf die Zahlen zu schielen: Zugriffszahlen, Likes etc. Und ich bin mir sehr bewusst darüber, dass ich Zorn, Wut und Neid gegen Menschen entwickle, die es nicht Wert sind. Nicht eine Sekunde lang. Weil allein schon der Vergleich als solches hinkt: Diese Menschen sind keine Fotografen - Punkt! Ich aber bin Fotograf. Egal ob Hobbyfotograf oder Amateurfotograf. Was ich aber nicht bin, ist Podcaster oder Social Media Affe. Warum also versuchen, etwas zu tun, was man eigentlich gar nicht so wirklich toll findet!? Eben. Gibt´s keinen Grund für. Der vor mir liegende Weg ist so wunderschön einfach: Ich fotografiere das, worauf ich Lust habe. Wann ich Lust habe. Wie ich Lust habe. Und ich zeige das, worauf ich Lust habe, wann auch immer ich dazu Lust habe. Und nicht, wenn irgendeinen Plattform oder irgendwer es von mir verlangt. Und ich nehme eine Podcast-Folge auf, wenn ich dazu Lust habe. Über das Thema, auf das ich gerade Lust habe. Und ich konzentriere mich wieder viel Mehr auf meine Familie und mein "reales" Leben. Das bin ich ihnen schuldig. Fertig! :-) Also nehmt´s mir nicht krumm, wenn ich kürzer trete! Aber warum solltet Ihr das auch tun…? Ich meine, wer bin ich denn schon…? ;-)



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